Du betrachtest gerade Nistkastenreinigung am Valentinstag

Ein Bericht von Suse

Treffpunkt ist um 9 Uhr der Parkplatz am Edeka-Parkplatz in der Nordstadt. Mit dabei sind die erfahrenen und langjährigen Nabu-Aktiven Ralf, Udo, Peter und Frank, sowie wir, zwei Frauen, Agnes und ich, die zum ersten Mal mitkommen. Das Wetter ist regnerisch-trüb und ziemlich kühl, aber es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung. Tatsächlich habe ich mehrere Schichten und eine alte Gartenhose an. Auch alle anderen sind offensichtlich gut für das Wetter gerüstet. Später wird es sogar Schneeregen geben. Aber das stört niemanden von uns weiter.

Warum müssen die Nistkästen eigentlich gereinigt werden? Der Nabu Niedersachsen schreibt dazu folgendes: „Die Wahrscheinlichkeit, dass es im (nächsten) Nest zu Parasitendruck kommt, ist höher, wenn der Nistkasten NICHT von alten Nistmaterialien und den darin lebenden ‚Plagegeistern‘ (also z.B. Milben und Flöhen) befreit wird. Manchmal werde der Nachwuchs so sehr von Parasiten gepeinigt, dass die Küken aus dem Nest springen und sterben.“ Das ist nachvollziehbar!

Wir fahren also mit den Autos zum Parkplatz Nächstenbach, wo wir das notwendige Equipment unter uns verteilen: Hammer, Alunägel, Schraubenzieher, Spülbürste und Drahtbürste und außerdem Ersatz-Türchen für eventuell defekte Nistkästen. Besonders gut Präparierte tragen einen eigenen Gürtel für ihre Arbeitsgeräte. Arbeitshandschuhe und FFP-Masken hat jede/R selbst dabei.

Außerdem braucht es natürlich Leitern, um an die Nistkästen, die in etwa drei Meter Höhe aufgehängt sind, zu erreichen. Davon werden von den Männern zwei mitgeschleppt.

Es gibt laminierte Karten, auf denen die z.T. seit den 80er Jahren hängenden Kästen mit Nummern verzeichnet sind. Nach kurzer Einführung übernimmt Agnes die Aufgabe, uns mit diesen zu leiten und zusätzlich eine Liste darüber zu führen, ob und wie die Kästen belegt sind (also ein altes Nest und von wem oder sonstiges darin zu finden ist).

Sehr spannend. Wir erreichen zuerst den Nistkasten 71. Der ist direkt an einem Baum an Weg angebracht, einfache Sache. Eine Leiter wird an den Baum angelehnt, einer von uns (schon meist einer der erfahrenen Aktiven) klettert diese hinauf, der Kasten wird abgehängt und nach unten gereicht, dort geöffnet, geprüft, ob er belegt war oder nicht. Das Nest oder was auch immer, wird herausgenommen und bestimmt, welcher Vogel hier genistet hat. Die Behausung wird ausgebürstet und damit gesäubert, hochgereicht und wieder aufgehängt. Agnes notiert auf ihrer Liste, was gefunden wurde.

Meist sind es Kohlmeisen oder Blaumeisen, die als Höhlenbrüter die angebotenen Kästen nutzen.  In einigen Fällen findet sich nicht nur ein altes Nest, sondern sogar 2 übereinander. In einigen Fällen haben zusätzlich noch Wespen ihr Nest obendrüber gebaut. Und häufiger finden wir auch ein übriggebliebenes Ei.

Ralf, der auch ein sehr schönes und oft benutztes Vogelbestimmungsbuch dabeihat, misst für uns auch gern einmal ein Ei aus, um noch genauer bestimmen zu können, von welcher Meisenart es stammt. Aber eigentlich wird schon über die Größe des Einfluglochs bestimmt, welche Vogelart sich hier einrichten wird. Die meisten Meisenarten, so erklärt es Ralf uns beiden Neuen, bevorzugen ein Einflugloch von 2,6 – 2,8 cm Größe.

Kohlmeisen dagegen benötigen mehr Platz zum Ein- und Ausfliegen: 3,2 – 3,4 cm und Kleiber (auch Spechtmeise) sogar 3,2 – 4,7 cm. Letztere arbeiten auch mit der sogenannten Lehmverklebung (aus Speichel und Lehm), mit welcher sie eventuell zu große Löcher und Ritzen selbst verschließen.

Aber zurück zu unserer Aktion an diesem Vormittag im Wald.

Es stellt sich heraus, dass bei Weitem nicht alle Nistkästen so gut für uns erreichbar sind wie der erste. Bei vielen, die laut Liste da sein müssten, ist kräftiges Absuchen der Bäume mit den Augen notwendig. Häufig ist er einfach gar nicht mehr da, weil der betreffende Baum inzwischen gefällt wurde, oder auch umgestürzt ist.

Aber ist er dann gesichtet, kraxeln zwei bis drei von uns mit Leiter und Equipment den Hang im Wald hinauf, oft durch Brombeergestrüpp oder über umgestürzte Bäume und Geäst. Und walten Kasten für Kasten „ihres Amtes“.

Einmal muss die Eingangsklappe ausgewechselt werden, weil defekt, ein anderes Mal wird ein verschwundener Kasten durch einen neuen ersetzt und ziemlich zum Ende unserer Tour hin findet sich tatsächlich einer, dessen Einflugloch und Ritzen von einem Kleiber mit seinem typischen Lehm „passend“ gemacht wurde. Die Klappe bekommt Ralf nur durch Hämmern und Abrubbeln mit einem Schraubenzieher auf.

Drinnen finden wir dann nicht nur ein verlassenes Nest, sondern auch Losung von Fledermäusen, die hier ebenfalls Station gemacht haben.

Alles in allem sind wir fast vier Stunden über Stock und Stein unterwegs und dann doch tatsächlich auch alle etwas müde.

Agnes fasst das Ergebnis der Aktion zusammen: Es wurden 20 Nistkästen aufgesucht und gereinigt, ein neuer wurde aufgehängt, an einem wurde die Einflugklappe ersetzt.

Ich fühle mich glücklich und zufrieden, dabei gewesen zu sein, und habe viel erlebt und gelernt. Die Stimmung war die ganze Zeit gut und motiviert, echt toll. Und anders als bei einer einfachen Wanderung freut es mich, zusammen mit Gleichgesinnten ein klein wenig für den Erhalt und die Unterstützung unserer Tierwelt beigetragen zu haben.

Und das tun unsere vier Nabu-Aktiven schon seit vielen Jahren!